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Zwei denkwürdige Rekorde, oder: Quo vadis, deutsches Risikokapital?

veröffentlicht am 27.04.2018 von Frank Schwarz, Hexagonaut für Presse & Investor Relations


Im ersten Quartal des laufenden Jahres haben Risikokapital-Investoren 295 Mio. € in deutsche Fintechs gesteckt. Ein neuer Rekord – und dabei sind die vielen Millionen Euro VC-Gelder, die in die verwandten Insurtechs flossen, noch nicht einmal mitgezählt. Hinzu kamen rd. 40 Mio. €, die deutsche Fintechs via ICO eingesammelt haben. Das Geld deutscher Investoren sitzt in diesem Segmenten derzeit recht locker. Und auch die etablierten Banken und Versicherungen drängen danach, bei vielversprechenden Start-ups der Finanzszene einen Fuß in die Tür zu bekommen.
 
"Möglicherweise hat eine Mischung aus Euphorie, fehlendem technischem Verständnis, Angst vor unkontrollierbaren Prozessen und Verfügbarkeit von Finanzmitteln Dritter die hohen Investitionen in Start-ups und Fintechs begünstigt, ohne dass immer ein Mehrwert zu erwarten ist", das sagte in der vergangenen Woche kein geringerer als Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank vor Studenten der Uni Hohenheim. Eine bemerkenswerte Feststellung (in einem übrigens lesenswerten Vortrag über den Aufbruch ins digitale Zeitalter und die Einstellung der Bundesbanker dazu). Haben sich die Investoren eigentlich schon mit der Frage beschäftigt, wie viele RoboAdvisor unser Land eigentlich braucht?
 
MorphoSys sammelt Geld über die Nasdaq
Auch die deutsche Lifesciences-Community durfte sich dieser Tage über einen tollen Erfolg eines ihrer prominentesten Vertreter freuen: Mit dem Börsengang an der Nasdaq ist der MorphoSys AG der größte Biotech-IPO eines deutschen Unternehmens in den USA geglückt. Rund 200 Mio. US-Dollar haben die Münchener eingenommen. Das Geld soll in die klinische Forschungsarbeit für ihren Wirkstoff Mor208 fließen. Ziel ist, im Jahr 2020 ein Produkt gegen Blutkrebs auf den Markt zu bringen.
 
Der Wermutstropfen bei dieser Geschichte: Der Gang an die Nasdaq wurde nötig, weil sich hierzulande nur schwer solche Summen für ein Biotech aufbringen lassen. Das bescheinigt die jüngste Branchenstudie von EY. Im gesamten vergangenen Jahr gingen die VC-Finanzierungen in deutsche Biotechs sogar von 213 Mio. auf 201 Mio. € zurück – auf einen Betrag also, der geringer ist, als die Fintech-Investments im ersten Quartal 2017 sammeln konnten. In anderen europäischen Ländern zogen die VC-Investments in die Biotech-Branche hingegen signifikant an – im Schnitt um über 20% auf insgesamt rd. 2,2 Mrd. €.
 
Sind wir auf dem richtigen Weg?
Einige mögen es als Werturteil betrachten, wenn ich behaupte, dass der gesellschaftliche Nutzen von Investitionen in Biotechs höher einzuschätzen ist, als der in Fintechs. Fakt ist, die Biotechnologie ist ein Sektor mit steigenden Umsätzen und Mitarbeiterzahlen. In der Finanzbranche sehen wir hingegen umgekehrte Vorzeichen. Fintechs sorgen vereinfacht gesagt dafür, dass Geld künftig noch effizienter verwaltet werden kann – der Schrumpfkurs der Branche sogar noch forciert wird. Die Biotechnologie leistet dagegen nicht nur pekuniäre Wertschöpfung, sondern sorgt auch für qualitative hochwertige, langfristige Arbeitsplätze und nicht zuletzt leistet sie echte Innovationen, zum Beispiel im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs, Diabetes II oder HIV.
 
Sofern Sie, verehrte Leserinnen und Leser, Investieren nicht ausschließlich aus einer kurzfristigen finanziellen Renditeperspektive betrachten, wird Sie die Gegenüberstellung der beiden Rekorde sicher auch nachdenklich stimmen. Uns bei aescuvest geht es genauso, denn als Crowdfunding-Plattform sind wir ja auch Teil des Fintech-Universums. Aber uns Hexagonauten ist sie Bestätigung für unsere Mission. Denn wenn wir auf unserer Plattform beide Universen verbinden können, dann leisten wir gemeinsam mit Ihnen einen Beitrag dazu, dass das deutsche Biotech-Ökosystem gestärkt wird. Denn unsere Überzeugung lautet, Gesundheit lohnt sich für jeden von uns.
 
 
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Glossar

Finanzierungsschwelle

Die Finanzierungsschwelle ist der Betrag, der bei einer Crowdinvesting-Kampagne bei aescuvest mindestens eingesammelt werden muss, damit die Finanzierung zustande kommt. Wird die Finanzierungsschwelle bis zum Ende der Kampagne nicht erreicht, erhalten die Anleger ihre Investments unverzüglich zurück.


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Gesundheit lohnt sich.
Für jeden von uns.