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Übernahmewelle in der Medizintechnik – das sind die Treiber

veröffentlicht am 24.10.2018 von Dr. Ulrich Scheipers und Dr. Ron Davidson, TAP M&A





Diesen Sommer konnte man eine sehr hohe Anzahl an Übernahmen von Medizintechnik-Unternehmen beobachten. Was sind die aktuellen Treiber des M&A-Marktes in der Medizintechnik? Dr. Ulrich Scheipers und Dr. Ron Davidson von TAP M&A erklären die Hintergründe.


Im deutschsprachigen Raum sorgten in den letzten Monaten die Übernahme der Emerging Implant Technologies GmbH aus Tuttlingen durch Johnson & Johnson, den Erwerb der Pioneer Medical Devices AG aus Aschersleben durch die Vanguard AG oder die Akquisition der Schweizer Medmix Systems AG durch Sulzer für Schlagzeilen. Lassen sich die Aktivitäten lediglich durch die allgemein hohe Liquidität am Kapitalmarkt bzw. den Megatrend einer alternden Bevölkerung erklären?

Wir wollen fünf wichtige Faktoren aufzeigen, die den aktuellen Run auf Medizintechnik-Targets erklären.

Ein wichtiger Treiber ist der Fachkräftemangel. Trainiertes Fachpersonal ist rar, zumal die Anforderungen in der Entwicklung, in der Fertigung und im Vertrieb steigen. Speziell im Bereich der reinen Technologie-Entwickler lassen sich Übernahmen primär auf das vorhandene Personal bzw. Know-how zurückführen.

In der Medizintechnik wird dieser Aspekt noch durch die vor kurzem verabschiedete europäische Medizinprodukteverordnung, MDR – Medical Device Regulation, verstärkt. Die mit dem strengeren Regelwerk einhergehenden Vorschriften zur Entwicklung und Inverkehrbringung erfordern einen Mehraufwand an Personal und Schulungskosten, der von vielen kleineren Betrieben nicht ohne weiteres aufzubringen ist. Der Verkauf an ein größeres Unternehmen kann Abhilfe schaffen. Auch in Zukunft werden wir weitere Unternehmenszusammenschlüsse beobachten, die den Anschluss an größere Organisationen als sichere Lösung zur Erfüllung der MDR vorsehen.

Eine Motivation zum Unternehmensverkauf liegt auch in der immer komplexer werdenden Technologie der medizintechnischen Geräte begründet. Konnte vor einigen Jahren ein europäisches Traditionsunternehmen, das seine Werte in der hoch präzisen Fertigung von Maschinenkomponenten aus verschiedenen Werkstoffen, seien es Metalle, Kunststoffe oder optische Komponenten begründet sah, auf diese Werte vertrauen, so ist heute der Digitalisierungsgrad der Produkte marktentscheidend. Beispielsweise funktionieren Endoskope heute digital mit in der Spitze integrierten Bildsensoren aus dem Consumer-Bereich. Die eigentliche Linsenoptik tritt damit in den Hintergrund und verliert ihren Wert als Verkaufsargument. Geräte zur Patientenüberwachung sind heute per Funknetz angebunden, hier zählen die Verkaufsargumente des Internet-of-Things. Auch einfachere Geräte speichern Anwendungsdaten und tragen diese in das Krankenhausinformationssystem weiter, sei es nun zur Auswertung von ökonomischen Kennzahlen, zum wissenschaftlichen Datamining oder zur Protokollierung im Sinne der juristischen Absicherung eines Eingrifft. Traditionsunternehmen können die Vielzahl der in modernen Geräten geforderten Funktionsblöcke immer seltener alleine abdecken. Akquisitionen von Firmen mit Schlüsselkomponenten und Mergers, um Kernkompetenzen zu verschmelzen, sind an der Tagesordnung. Auch die spektakulären Akquisitionen von Google, IBM, Johnson & Johnson, B. Braun und Bracco fallen in dieses Segment.

Der vierte Treiber von M&A-Transaktionen liegt im Vertrieb der Inverkehrbringer bzw. in den Einkaufsstrukturen der Gesundheitsorganisationen begründet. Gesundheitsorganisationen werden immer größer (siehe die Übernahmen im Bereich Krankenhaus und Pflege). Damit steigt grundsätzlich der Druck, den diese Organisationen auf die Gerätehersteller ausüben. Immer mehr Organisationen verlangen komplette OP- oder Rettungsdienst-Ausstattungen aus einer Hand. Nichts liegt näher als eine horizontale Erweiterung des Produktportfolios durch Übernahme entsprechender Firmen. Die Übernahmen von Getinge, Hill-Rom, Philips und Stryker fallen beispielsweise in dieses Segment.

Zu guter Letzt seien noch die Bestrebungen asiatischer Konzerne genannt, die durch die Übernahme im Westen etablierter Marken den oftmals schwierigen Eintritt in die konservative Welt der Medizintechnik in westlichen Ländern anstreben. In diesem Zusammenhang seien z.B. die Akquisitionen von Mindray, Yuwell, aber auch von JVC Kenwood genannt. Auch in naher Zukunft sind weitere Übernahmen durch asiatische Konzerne zu erwarten.

 

Über die Autoren:
 
Dr. Ulrich Scheipers ist Medizintechnik-Experte und Dr. Ron Davidson Geschäftsführer von TAP M&A, einer Transaktionsberatung, die Unternehmer beim Unternehmenskauf- bzw. -verkauf begleitet. Die Experten im Healthcare-Bereich bzw. in der Medizintechnik sind auch auf der MEDICA in Düsseldorf anzutreffen.


 
 


 
 


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Die Bonität gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Darlehensnehmers. Sie beschreibt dessen Fähigkeit, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Je höher die Bonität eines Darlehensnehmers eingestuft wird, desto höher gilt die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt.


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