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Ist in Deutschland das Start-up-Fieber ausgebrochen?

veröffentlicht am 01.11.2019 von Frank Schwarz, Head of Investment


Quelle: Gajus-Images - envato.com (bearbeitet)

Mit bisher 852 Mio. € haben Beteiligungsgesellschaften im laufenden Jahr per 30. Juni so viel Venture Capital wie noch nie in einem Halbjahr der jüngeren Vergangenheit investiert, das meldet der Branchenverband BVK stolz in dieser Woche. Start-ups können sich laut EY Report über sich öffnende Geldhähne freuen. Das Handelsblatt fürchtet bereits eine Blase. Ist diese Befürchtung berechtigt?
 
„Der deutsche Venture Capital-Markt hat eine erfreuliche Dynamik entwickelt“, so Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Dabei schränkt sie gleich wieder ein „wobei die größten Volumina weiterhin aus dem Ausland kommen“. Laut Berechnung der Unternehmensberatung EY flossen deutschen Start-ups bis zum Ende des dritten Quartals 2019 insgesamt – also neben Mitteln von VC-Gebern auch von Business Angels, Family Offices, Förderbanken oder durch Crowdfunding – eine Investitionssumme von mehr als 5 Milliarden € zu. Der Wert liege 50 Prozent über dem Vorjahreszeitraum – und wecke Befürchtungen, dass sich eine Blase bildet.
 
Die Redakteure des Handelsblatts setzen die Summen dann selbst ins rechte Verhältnis: Deutschland sei noch weit von den Summen entfernt, die in den USA oder auch in Großbritannien abgerufen wurden. Allein im ersten Halbjahr beliefen sich Investments an US-Start-ups auf insgesamt 60 Milliarden € – im Schnitt 13,33 Millionen € in 4.500 Finanzierungsrunden. Ein anderer Vergleich macht die noch immer schwach entwickelte Investmentkultur noch offensichtlicher: Im kleinen Staat Israel (9 Millionen Einwohner) haben Technologieunternehmen mit 2,01 Milliarden € allein im dritten Quartal 2019 zweieinhalb Mal soviel Geld von Venture Capital-Gebern erhalten, wie deutsche Unternehmen innerhalb von sechs Monaten.
 
Angesichts solcher Zahlenvergleiche ist wohl kaum von einer Übertreibung am deutschen Markt zu sprechen. Die Entwicklung ist jedoch ein klares Indiz dafür, dass aufgrund magerer bis negativer Renditen festverzinslicher Anlagen die Blicke der Investoren nach rentableren Anlagen Ausschau halten – und bei Investments in Technologieunternehmen fündig werden. Die Nullzinspolitik der EZB hat so zumindest in dieser Hinsicht eine positive Wirkung. Denn das Geld der Wagnis-Finanzierer fließt in Unternehmen und somit in den realen Wirtschaftskreislauf. Investitionen fließen vor allem in die Zukunftssektoren IT, Mobilität und Gesundheit. Ein Blick auf den DAX, das Barometer der wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen, zeigt, dass hierzulande großer Nachholbedarf herrscht. Noch immer wird es dominiert von Industrieunternehmen. Und das steigende Interesse ausländischer Investoren weist darauf hin, dass die Bewertungen hierzulande günstiger sind, als in weiter entwickelten VC-Märkten.
 
 
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Nachrangdarlehen

Als Nachrangdarlehen werden Darlehen bezeichnet, die im Falle einer Insolvenz oder Liquidation des Darlehensnehmers erst nach der Bedienung anderer Gläubiger, wie z. B. Banken oder Lieferanten, bedient werden. Bei Investments auf aescuvest handelt es sich ausschließlich um partiarische Nachrangdarlehen.


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