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ICO – Alles nur ein Hype oder steckt doch mehr dahinter?

veröffentlicht am 08.12.2017 von Frank Schwarz, Heaxagonaut für Presse & Investor Relations



Wie ein Lauffeuer verbreitet sich derzeit das Phänomen der ICOs, die für Start-ups als das Wundermittel zur Finanzierung und für Anleger als einfacher Weg zu schnellem Reichtum gepriesen werden. Was ist dran am Hype um den Verkauf der Coins und Tokens?

 
Blockchain, Cryptocurrency, ICO und Token Sale – für viele Anleger ist das vor allem eines: kryptisch. ICOs – Initial Coin Offerings – machen Schlagzeilen durch fantastische Summen eingesammelten Geldes. Den aktuellen Rekord stellt das US-Start-up Filecoin, das 257 Mio. US-Dollar durch den Verkauf von Token aufgenommen hat. Wurden anfänglich vor allem Geschäftsideen rund um die Blockchain-Technologie über ICOs angeboten, breitet sich die Finanzierungsform mittlerweile in andere Bereiche aus. Prof. Dr. Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance sieht in ICOs bereits den Weg für künftige Start-up-Finanzierungen. Über keinen anderen Weg ließe sich in vergleichbarer Geschwindigkeit und Höhe Wagniskapital einsammeln, so der Blockchain-Experte.
 
Was ist ein ICO?
Bei einem ICO werden sogenannte Token ausgegeben, die Investoren zu Beginn oder vor dem Projektstart erwerben können – meist in der Hoffnung, dass diese in der Zukunft einen höheren Wert besitzen. Dieser Token stellt ein Anrecht auf etwas dar, zum Beispiel auf den Erwerb eines (noch zu erstellenden) Produkts oder den Anteil am Gewinn eines Projekts. Die Parallelen zu Reward Crowdfunding bzw. Crowdinvesting sind offensichtlich. Der wesentliche Unterschied ist, dass diese Form der Finanzierung vielerorts entweder nicht von der bestehenden Regulierung erfasst wird oder aber frontal mit dieser kollidiert.
 
Viele ICO-Anhänger sehen gerade im unregulierten Freiraum den besonderen Charme. Das herkömmliche Crowdfunding sei längst überreguliert, so eine häufig kolportierte Meinung. Spätestens hier sollten bei Investoren die Alarmglocken läuten. Denn die Regulatoren haben vor allem eines auf dem Schirm: Den Schutz der Anleger. Und so warnt auch Prof. Sandner davor, dass ICOs extreme Anziehungskraft auf obskure Personen entfalte, deren Fokus sich allein auf das schnelle Einsammeln von viel Geld richte. Hier treten dann häufig zwei Hypes im Verbund auf – ICO und Cryptocurrency. Und damit kommen zusätzliche Risiken ins Spiel: 1. Wer und was stellt sicher, ob für eine heute in „harter“ Währung gegen Bitcoin u. a. getätigte Anlagen die erwirtschafteten Gewinne künftig auch gegen Bitcoin ausgezahlt werden können? Und was erhält der Token-Inhaber, wenn das nicht mehr funktionieren sollte? Und 2. Welchen Wert hat eine Währung in drei, vier oder fünf Jahren, die heute 20 % und mehr am Tag schwanken kann?
 
Alles schlecht? Mitnichten!
ICOs sind hip und Hype, aktuell daher wohl vor allem etwas für Glücksritter als für langfristig orientierte Investoren. Natürlich gibt es hier, genausowenig wie bei jeder anderen Finanzierungs- und Anlageform, eine Garantie für das schnelle Geld. So traten neben den Leuchttürmen einiger Multi-Millionen-Dollar-Emissionen auch zahlreiche Nullkommanull-Dollar-Kampagnen in Erscheinung. Und die ersten Pleiten oder Betrugsfälle dürften auch nicht lange auf sich warten lassen.
 
Aber ICOs werden mit Sicherheit einen Einfluss auf das Crowdfunding im Allgemeinen entwickeln. Die Ausgabe eines Tokens ist vergleichbar mit der Ausgabe eines Wertpapiers und ein solches stellt ein verbrieftes Recht auf eine Zahlung dar. Diese Verbriefung ist heute ein komplexer Prozess. Schließlich muss sichergestellt sein, dass Wertpapiere sich einerseits leicht von einem Besitzer zum nächsten übertragen lassen, ohne dass sich die in Umlauf gebrachten Wertpapiere wie durch Zauberhand vermehren können. Dezentrale Datenbanktechnologien, von denen Blockchain aktuell die bekannteste, aber nicht die einzige ist, könnten diese Prozesse radikal vereinfachen und der Finanzierung von Start-ups neue Möglichkeiten eröffnen. Dafür braucht es im Sinne aller seriösen Beteiligten allerdings einen verlässlichen rechtlichen Rahmen.


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Glossar

Bonuszins (endfällig)

Sieht der Darlehensvertrag einen endfälligen Bonuszins (endfällig zahlbare variable Zinskomponente) vor, so gilt: Endet der Darlehensvertrag durch Ablauf der regulären Vertragslaufzeit, so erhält der Darlehensgeber am Rückzahlungstag einmalig einen Bonuszins in Höhe des im Darlehensvertrag genannten prozentualen Anteils („endfälliger Bonusanteil“) an der im Darlehensvertrag genannten Kennziffer (Umsatz, Gewinn, EBIT oder EBITDA). Zugrunde gelegt wird dabei der gewichtete Durchschnitt der Entwicklung der Kennziffer in den drei vorangegangenen abgeschlossenen Geschäftsjahren (das zuletzt abgeschlossene Geschäftsjahr gewichtet mit 50 %, das Jahr zuvor mit 30 % und das Jahr vor diesem mit 20 %). Endet der Vertrag vor Ablauf der regulären Vertragslaufzeit aufgrund vorzeitiger Kündigung bei Folge-Finanzierungsrunde oder Exit, so wird der Darlehensgeber finanziell so gestellt, als hätte er einen Eigenkapital-Anteil am Darlehensnehmer in Höhe des im Darlehensvertrag genannten prozentualen Anteils („virtuelle Erlösbeteiligung“) veräußert, wobei die Unternehmensbewertung zugrunde gelegt wird, die der Folgefinanzierung bzw. dem Exit zugrunde liegt. Der Darlehensgeber erhält also einen Betrag in Höhe des Produkts seiner – ggf. zwischenzeitlich verwässerten, hierzu sogleich – virtuellen Erlösbeteiligung und der bei Kündigung zugrunde gelegten Unternehmensbewertung (Partizipation an Unternehmenswertsteigerung). Der entsprechende Betrag ist innerhalb von vier Wochen nach dem Tag der Wirksamkeit der Kündigung an den Darlehensgeber auszuzahlen. Der endfällige Bonuszins unterliegt in beiden vorstehend genannten Fällen der Verwässerung: Bei Folge-Finanzierungen in Form von Kapitalerhöhungen während der Laufzeit des Darlehens, bei denen das Kündigungsrecht des Darlehensnehmers nicht ausgeübt wird, verringert sich der endfällige Bonusanteil des Darlehensgebers jeweils mit Wirkung für die Zukunft im Verhältnis des alten zum gesamten neuen Stammkapital des Darlehensnehmers nach Durchführung der Kapitalerhöhung. Dies gilt bei Kapitalherabsetzungen entsprechend. Bei Folge-Finanzierungen in Form von Schwarmfinanzierungen (Crowdfundings), bei denen schuldrechtliche Gewinnbezugsansprüche gewährt werden, verringert sich der endfällige Bonusanteil des Darlehensgebers jeweils in dem Verhältnis des Wertes des wirtschaftlichen Altkapitals (ausgedrückt durch die Pre-Money-Bewertung, die der neuen Schwarmfinanzierung zugrunde liegt) zum Wert des Neukapitals (ausgedrückt durch die dem neuen Funding zugrunde liegende Post-Money-Bewertung; diese errechnet als Pre- Money-Bewertung zuzüglich der Finanzierungssumme im Rahmen des neuen Fundings). Die Verwässerung tritt nicht ein bei Folge-Finanzierungen, deren Umfang geringer ist als das Finanzierungs-Limit laut Darlehensvertrag; bei Down Rounds (wie oben definiert); bei Nachschüssen (wie oben definiert). Der Darlehensgeber stimmt der möglichen Verwässerung seines Zinsanspruchs bereits jetzt zu. Er hat bei Folge-Finanzierungsrunden weder ein Bezugsrecht noch ein Mitbestimmungsrecht, sondern wird die Verwässerung hinnehmen, um optimales Wachstum des Unternehmens des Darlehensnehmers zu ermöglichen. Kündigt das Unternehmen den Darlehensvertrag berechtigt außerordentlich, so fällt kein Bonuszins bei Vertragsende an.


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