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Wer zu spät kommt oder „Die Schreckensbilanz der Frankfurter IPO-Banken“

veröffentlicht am 02.06.2019 von Frank Schwarz, Head of Investment


Quelle: markusgann - envato.com

Der Branchendienst „Finanz-Szene.de“ hat sämtliche Börsengänge am deutschen Aktienmarkt seit dem Jahr 2009 untersucht. Das Ergebnis ist, so die Autoren, für die hierzulande tätigen Emissionsbanken geradezu verheerend.
 
Insgesamt wagten sich in den vergangenen knapp zehn Jahren 99 Unternehmen an den Prime Standard der Frankfurter Börse – darunter Namen wie Zalando, Telefonica Deutschland, Hellofresh oder Covestro. Dabei erlösten die Firmen insgesamt rund 38 Mrd. € und kamen per Handelsstart auf eine aggregierte Bewertung von 210 Mrd. €. In 59 von 99 untersuchten Börsengängen erzielten die Anleger mit ihrem Investment bis heute Verluste. Und das, obwohl die analysierte Periode einen der längsten Bullenmärkte der Geschichte umfasst: Im untersuchten Zeitraum haben sich die Kurse deutscher Aktien im Schnitt etwa verdoppelt. „Der Rückenwind war als beträchtlich – doch es half nicht. In einem Fünftel der IPOs (= Initial Public Offerings) betrug das Minus sogar 80% und mehr, wir haben es also mit der Kategorie „Totalverlust“ zu tun“, so finanz-szene.de.
 
Die Autoren sehen diverse Gründe für diese Entwicklung, ein wesentlicher sei im Interessenkonflikt der Banken zu sehen, die sich im harten Wettbewerb um die lukrativen Börsengangsmandate bei der Bewertung der Unternehmen gegenseitig überböten. Welchen Schluss ziehen sie daraus für die Anleger: bei IPOs lieber die Finger weglassen.
 
Bei Unternehmensbeteiligungen ist richtige Einstiegszeitpunkt entscheidend
Börsengänge sind ein großes Geschäft, an dem viele verdienen wollen. Neben Banken sind das Emissions-, Rechts- und Kommunikationsberater. Häufig machen auch die Altaktionäre Kasse. Das ist grundsätzlich alles legitim, solange jeder Anleger diese Umstände kennt und einkalkulieren kann. Und es ändert nichts an der Tatsache, dass Anleger langfristig am Aktienmarkt attraktive Rendite für ihr Geld bekommen – solange sie nicht nur auf Börsenneulinge setzen. Es ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass Unternehmen meist erst dann an die Börse gehen, wenn die Zeiten des stürmischsten Wachstums bereits hinter ihnen liegen. Sprich, eine noch attraktivere Rendite ist vor dem Börsengang zu erzielen, in den frühen Phasen der Unternehmensentwicklung. So gehören Venture Capital-Investoren regelmäßig zu den Aktionären, die beim Börsengang ihre Anteile versilbern. Aus den beim Börsen-Exit erlösten Beträgen können sie wieder neue Frühphasen-Investments tätigen und junge Unternehmen mit großem Kapitalbedarf und großen (Wert-)Wachstumschancen finanzieren. Sie erwarten, dass sie aus den risikoreichen Neuengagements höhere Renditen erwirtschaften können.
 
Früher blieb dem „Otto-Normal-Anleger“ dieser spannende Markt weitgehen verschlossen. Seitdem es Crowdfunding gibt, kann quasi jedermann in frühen Entwicklungsphasen bei Unternehmen einsteigen. Beachten Sie, dass das Risiko des Scheiterns ist in diesem Zeitraum bei einzelnen Unternehmen beträchtlich ist. Ein einziger Vervielfacher unter zehn Unternehmen kann jedoch häufig ausschlaggebend für die Rendite des Gesamtportfolios sein. An der Börse sollten Rendite und Risiko in einem weniger extremen Verhältnis stehen, bei den Börsengängen der letzten zehn Jahre ging diese Rechnung offenbar nicht auf.
 
Im Beteiligungsgeschäft gilt also noch immer, wer zu spät kommt, den beißen die Hunde – der frühe Vogel fängt den Wurm!
 
 
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Abtretung ist der juristisch korrekte Begriff für den Verkauf einer Forderung.


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