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Die B.Braun Melsungen AG ist eines der größten deutschen Pharma- und Medizinbedarfs-Unternehmen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Nordhessen hat seine Wurzeln in einer Apotheke. Seit 1839 haben sechs Generationen das Unternehmen zu einem globalen Konzern entwickelt, der in 64 Ländern auf allen Kontinenten vertreten ist und rd. 64.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen, das „Innovation“ als eine der wichtigsten Triebfedern nennt, erwirtschaftet heute einen Jahresumsatz von fast 7 Mrd. €. Relativ jung ist hingegen das Accelerator-Programm, das die Kooperation mit externen Start-ups fördern soll und 2017 gegründet wurde. BOCAhealthcare gehörte zu den ersten Unternehmen, die in dieses Programm aufgenommen wurden. Wir sprachen mit Dr. Henrik Wolff, Head of New Technologies Avitum, über die Zusammenarbeit im Rahmen des Accelerator-Programms.

Dr. Henrik Wolff, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Könnten Sie bitte den Lesern zunächst kurz Ihre Rolle bei B.Braun erläutern?
Sehr gerne, ich bin bei B. Braun Avitum in der Hauptsache für das Thema Innovation in Bereich Research zuständig und zudem für das Marketing unserer Dialysegeräte.

Wir würden gerne von Ihnen wissen, welches aus Ihrer persönlichen Sicht die wichtigsten ungedeckten medizinischen Bedürfnisse, mit denen Patienten, Ärzte und Krankenschwestern im Bereich der Chronischen Nierenerkrankungen (CKD) und Hämodialysen täglich konfrontiert werden?
Das Flüssigkeitsmanagement ist eines der wichtigsten Themen in der Dialyse. Die Patienten sammeln zwischen zwei aufeinanderfolgenden Dialyse-Sitzungen  zwei bis vier Liter Flüssigkeit im Körper an. Diese zusätzliche Flüssigkeit muss innerhalb einer Dialysebehandlung, die typischerweise vier Stunden dauert, wieder entfernt werden.
So haben die Patienten mit zwei Belastungen zu kämpfen: Zum einen die Menge an zusätzlicher Flüssigkeit, die während der Dialysebehandlungen angesammelt wird, und zum anderen das kurze Intervall, in dem das zusätzliche Volumen wieder entfernt wird. Die Herausforderung besteht darin, die Zielmenge an Flüssigkeit zu identifizieren, die während einer Behandlung entfernt werden soll, und gleichzeitig eine intradialytische Hypotonie zu verhindern.

Sie waren Mentor des Teams BOCAhealth während des B.Braun Accelerator Programms, worum ging es bei diesem  Programm und was ist Ihre Rolle?
Der Schwerpunkt des Programms liegt auf innovativen Lösungen und Produkten im Bereich der ambulanten und häuslichen Pflege sowie in anderen Geschäftsfeldern des Gesamtkonzerns B. Braun unter Berücksichtigung des gesamten Patientenpfades. Meine persönliche Aufgabe war es, das Start-up zu coachen, das für den Bereich der chronischen Nierenerkrankungen ausgewählt wurde, also für BOCAhealth.

Wie schätzen Sie unser Team ein? Was hat Ihnen besonders gefallen? Und welche Aspekte des BOCAhealth-Systems halten Sie für entscheidend, damit es am Markt erfolgreich werden kann?
Das Team verfügt über alle technischen Fähigkeiten und umfassende klinische Expertise, um ein Bioimpedanzgerät zu entwickeln, das das Flüssigkeitsmanagement der Patienten unterstützt. Die Besonderheit des Ansatzes von BOCAhealth besteht darin, dass es sich quasi um eine miniaturisierte Version einer bereits bestehenden und bewährten Technologie handelt. Die Benutzeroberfläche wird so vereinfacht, dass die Patienten selbst die vom System bereitgestellten Informationen leicht verstehen können.

Was halten Sie von dem Produkt BOCAhealth, wie kann es für das Management von Hämodialyse-Patienten nützlich sein?
BOCAhealth kann Patienten unterstützen, die Schwierigkeiten haben, die vorgeschriebene Flüssigkeitsaufnahme einzuhalten. Es kann so im Rahmen der Hämodialyse eingesetzt werden, um die medizinischen Entscheidungen zu unterstützen, z. B. zu welchem Zeitpunkt die Körperflüssigkeiten entfernt werden sollen.

Und zum Abschluss die Frage, weshalb ein großer Konzern, vom Maßstab eines Unternehmens  B. Braun, interessante Start-up unterstützen sollte?
Kooperations- und Partnerschaftsmodelle sind ein sehr effizienter Weg, um die Geschwindigkeit von Start-up-Unternehmen zu unterstützen, was letztendlich für beide Seiten von Vorteil ist.

Dr. Henrik Wolff, noch einmal herzlichen Dank für das Gespräch.

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